Antisemitismus-Info.de
Antisemitismus-Info.de informiert über den Antisemitismus in Deutschland. Kern des Projekts ist unsere umfangreiche Linkliste zum Thema Antisemitismus und Judentum:
Nachrichten
Aktuelle Meldungen zum Thema Antisemitismus in Deutschland:
- 09.06.2010: Israels Vorgehen gegen Gaza-Solidaritätsflotte schürt Antisemitismus in Deutschland
- 08.06.2010: Mobiles Beratungszentrum gegen Rechtsextremismus in Berlin
- 08.06.2010: Hassparolen gegen Juden im Internet
- 13.05.2010: Charlotte Knobloch im Interview mit der Welt
Was ist Antisemitismus?
Mit dem Begriff Antisemitismus wird die Feindlichkeit gegenüber Juden bezeichnet. Antisemitismus setzt sich aus den beiden Wörtern „Semitismus“ und „anti“ zusammen. In die deutsche Sprache übersetzt bedeutet Semit soviel wie „Nachfahre von Sem“, wobei Sem der älteste Sohn von Noah gewesen ist. Von den drei Söhnen Noahs aus sollen der Bibel zufolge alle Menschen „entstanden“ sein. Das Wort „anti“ steht für einen Gegensatz, durch die Vorsilbe „anti“ wird das anhängende Wort also von der Bedeutung her stets ins Gegenteil gewandelt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde dann die Bedeutungen des Begriffes „Semit“ nach und nach verändert. Vorübergehend wurden beispielsweise im 18. Jahrhundert vor allem Araber und Hebräer als Semiten bezeichnet, bis sich dann letztendlich der Semit als Bezeichnung für einen Juden durchsetzte. Von der Rassenbezeichnung her ist der Begriff „Semit“ jedoch insofern im Zusammenhang mit Juden nicht korrekt, als dass die Juden zwar als Semiten bezeichnet werden, es aber vom Ursprung her keine jüdische Rasse als eigenständige Art der Menschen gibt. Somit wird Antisemitismus vom Wort lediglich in abgeleiteter Form mit Judenfeindlichkeit übersetzt.
Judenfeindschaft & Antijudaismus in der Antike
Die Judenfeindschaft hat ihre Wurzeln bereits in der Antike über 800 Jahre vor Christus, nachdem das Judentum als solches erstmal durch das Königreich Israel ca. 1.000 v. Chr. sichtbar in Erscheinung trat. Als eine der ersten „spürbaren“ Maßnahmen gegen die Juden wurden zum Beispiel im Jahre 733 v. Chr. über 5.000 Einwohner aus dem Bereich des Nordreichs Israels von den Assyrern deportiert und im Jahre 722 daraufhin die Existenz von Nordisrael als ein eigenständiger Staat beendet. Im Jahre 586 v. Chr. wurde Jerusalem zum größten Teil von den Babyloniern zerstört. Auch bei den Ägyptern wurde die anti-jüdische Einstellung der Bevölkerung fortgeführt. So waren die Ägypter zum Beispiel der Auffassung, dass Juden Ägypter seien, die sich mit Sklaven „vermischt“ hätten. 411 v. Chr. wurde beispielsweise als deutliches Zeichen des Antisemitismus der JHWH-Tempel zerstört. Die Römer und Griechen setzten die Ressentiments und der Antihaltung gegenüber den Juden fort und mit der Verbindung zwischen der Theologie der Christen und der Judenfeindschaft entstand schließlich der Antijudaismus. In dieser Zeit waren es vor allen Dingen auch religiöse Gründe, welche die Jugendfeindschaft verstärkten. Denn im Gegensatz zu Griechen und Römern weigerten sich die Juden, verschiedene Götter und den römischen Kaiser als Gott zu verehren. Deshalb galten die Juden auch als nicht patriotisch. Der Antijudaismus wurde, hier in erster Linie aus religiösen Gründen (Ablehnung des Christentums), in Form der Kreuzzüge gegen das Gebiet Israels und das Judentum im 11. bis 13. Jahrhundert fortgesetzt.
Antisemitismus in der Neuzeit
Nach dem Mittelalter setzte sich die Judenfeindschaft auch in der Neuzeit weiter fort, was auch durch die Situation in Deutschland zwischen 1819 bis 1920 gekennzeichnet ist. Generell war das starke deutsche Nationalbewusstsein in dieser Zeit durch eine judenfeindliche Tendenz geprägt, nicht zuletzt aufgrund der Forderung von einigen angesehenen Bürgern, zum Beispiel auch Schriftstellern, die Rechte von Juden einzuschränken. Einen traurigen Höhepunkt dieser Anti-Judenkampagnen durch Forderungen war sicherlich das Jahr 1819, als der Publizist von Hundt-Radowsky forderte, alle jüdischen Männer zu kastrieren und in Übersee als Sklaven einzusetzen. Eine Auswirkung dieser Hetzkampagne waren im gleichen Jahr in vielen deutschen Städten Pogrome und Morde an Juden. Diese Gewalttaten gegen Juden wiederholten sich in ähnlicher Form in den nächsten Jahrzehnten immer wieder. In den nächsten Jahrzehnten bekamen die Juden auf dem Papier zwar mehr Rechte und brachten es im Zuge der zunehmenden Industrialisierung auch zu einigem Wohlstand und Ansehen, jedoch gerade deshalb gab es nach wie vor eine Antipathie besonders der einfachen Arbeiter gegenüber den Juden. Besonders verschärft wurde der Antisemitismus in Deutschland dann nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg 1918. Kern des Antisemitismus war zum einen der Jude als Sündenbock für die Revolution und die Inflation, zum anderen der völkische Rassengedanke aus Zeiten des Kaiserreichs.
Antisemitismus im Dritten Reich
In der Zeit ab 1920 wurden die Aktivitäten gegen Juden vor allen Dingen von so genannten vaterländischen Politikern gelenkt, natürlich allen voran von der NSDAP, die im Jahre 1920 unter der Führung von Adolf Hitler gegründet wurde. Die folgenden Jahre waren geprägt von antisemitischen Schriften und Propaganda gegen die Juden. Hitler stellte als ein Hauptziel seiner Politik den Kampf gegen die „jüdische Weltdiktatur“ in den Mittelpunkt, unter anderem auch in seinen Büchern „Mein Kampf“ in drastischer Form formuliert. Ab dem Jahre 1930 gab es dann neben den „Wort- und Schrift-Kampagnen“ gegen die Juden vermehrt auch Übergriffe, also körperliche Gewalt, der SA gegenüber den Juden. Diese Gewalt fand in der Folge einen „Höhepunkt“ in der so genannten Reichspogromnacht am 9./10. November des Jahres 1938. In dieser Nacht brannten viele jüdische Synagoge in Deutschland und zahlreiche Geschäfte und Wohnungen von Juden wurden von der SA und der SS zerstört. In der Folgezeit nahm der Antisemitismus immer schlimmere Ausmaße an, der auch als „Vernichtungsantisemitsmus des Staates“ bezeichnet wird. So wurden die Juden in Konzentrationslager verschleppt oder sofort getötet. Über sechs Millionen Juden wurden in vielen teilen von Europa bis 1945 ermordet.
Antisemitismus in der BRD
Bereits nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1945, in noch deutlicherer Form dann spätestens ab Gründung der BRD im Jahre 1949, wurde das Verhältnis zum Judentum in Deutschland neu definiert. Dazu trugen auch theologische Schriften bei, welche vom Inhalt her nun den jüdischen Glauben in eine enge Verbindung mit dem Christentum brachten. Im Jahre 1980 wurde das Verhältnis von Juden und Christen durch einen Synodalbeschluss der Evangelischen Kirche erneuert. Rechtlich betrachtet gibt es heute keine Nachteile mehr für jüdische Bürger in Deutschland und auch der größte Anteil der deutschen Bevölkerung tritt den jüdischen Bürgern ohne Vorurteile oder Missgunst gegenüber. Dennoch gibt es weiterhin auch antisemitische Tendenzen im Lande, die jedoch nur noch von einem sehr kleinen Teil der Bevölkerung ausgehen und politisch seit vielen Jahren keinen nennenswerten Einfluss mehr haben. Dennoch gibt es noch immer von Seiten der Katholische Kirche mitunter Kritik am Judentum (zu „gesetzesfromm“, Werkreligion etc.). Zu einhundert Prozent verschwunden ist der Antisemitismus demnach nicht.