Charlotte Knobloch im Interview mit der Welt
13.05.2010Da in München ein ökumenisches Treffen im Gemeindezentrum der Juden stattfindet und sicher wieder Fragen im Raum stehen, beantwortet Charlotte Knoblauch der Welt die Frage, nach einem Gefühl des Unwohlseins, mit eindeutigen Aussagen. Das ökumenische Zusammentreffen der Religionen bedeutet eine gegenseitige Anerkennung. Charlotte Knoblauch ist davon überzeugt, dass in Deutschland alle Juden ebenfalls positiv auf das Zeichen der Verbundenheit reagieren werden. Sie beteuert, dass die Juden keine Probleme mit katholischen Kirchengemeinden haben, sondern eher mit dem Vatikan. Dies liegt an der Tatsache, dass unter anderem die Holocaust-Leugnung bisher noch nicht aus der Welt geschafft wurde. Wichtig sei es, dass Menschen sich mit der jüdischen Geschichte auseinandersetzen. Gelegenheit dazu geben Veranstaltungen wie beispielsweise Symposien und andere Begegnungen. Es gilt Vorurteile in der Bevölkerung abzubauen.
Islam und Judentum in Deutschland
Annäherungen von Christentum, Judentum und Islam sind in der heutigen Zeit sehr schwierig, da sich Juden zumindest von einigen islamischen Staaten anfeinden lassen müssen. Es ist wichtig, mit entsprechenden Vertretern im Dialog zu bleiben. In Frankreich beispielsweise funktioniert die Kommunikation zwischen dem Islam und dem Judentum ausgesprochen gut. In Deutschland stehen zwar auch muslimische Gesprächspartner zur Verfügung, jedoch konnten diese in der Folge der Gespräche nichts verändern. In Deutschland wachsen die antijüdischen Vorurteile besonders unter muslimischen Jugendlichen. Zu viele islamische Gruppierungen können sich nicht ausreichend verständigen. Manchmal feinden sie sich sogar untereinander an. Es ist noch keine demokratisch legitime Führung vorhanden. Hingegen haben die Juden mit dem Zentralrat ein einheitliches Vertretungsorgan.
Zukünftige Aufgaben des Zentralrats
Durch das Anwachsen der jüdischen Gemeindemitglieder, vor allem durch die Zuwanderungen aus der ehemaligen Sowjetunion ist das jüdische Leben vielfältiger geworden. Stimmen von ultraorthodox bis Liberal drängen an die Öffentlichkeit. Der Zentralrat sieht seine Kernaufgabe darin alle Richtungen auf einen Nenner zu bringen.
Zeitzeugen des Holocaust sterben in der nächsten Zeit aus. Charlotte Knoblauch sagt:
Die Verantwortung – ohne Opfer und ohne Täter-, und um nichts anderes geht es, die Erinnerung lebendig zu halten, muss jetzt an die jungen Leute weitergegeben werden.
Sie stellt immer wieder fest, wie groß die Bereitschaft junger Leute ist, sich über die Vergangenheit in Deutschland zu informieren. Sie zieht das positive Resümee, dass die Anzahl der Juden in Deutschland mittlerweile annähernd so groß ist wie vor dem Jahr 1933, und das die Dokumentations- und Erinnerungsorte dafür sorgen werden, dass die Grausamkeiten der Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten werden.
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Charlotte Knoblauch im Januar 2009 in Jerusalem bei der Tagung des Jüdischen Weltkongresses.